23.04.05
Warum Emails nicht funktionieren
Manche Dinge sind unter anderen deshalb so kompliziert weil viele Leute glauben die Sache zu beherrschen – es in Wirklichkeit jedoch von niemanden beherrscht wird.
Nicht nur das es niemand wirklich beherrscht, es ist auch noch per Definition unkompatibel zueinander. Sowohl in vielen Faellen technisch inkompatibel, als auch in den meisten Faellen kulturell inkompatibel.
Eigentlich kann sie gar nicht funktionieren.
Wir reden von der Kommunikation.
Bevor man sich anschaut warum Kommunikation nicht funktionieren kann sollte man sich kurz Gedanken machen ueber folgende Begriffe:.
- Kommunikationsmedium (Gespraech, Telefon, Email)
- Sprache (Deutsch, Englisch)
- Kulturkreis (Freunde, Familie, Verein, Arbeitskollegen, Oeffentlickeit)
- Kulturelle Gewohnheiten (Wie kommuniziere ich mit einen aus Berlin, aus Koeln, aus England, aus Brasilien)
(bitte an dieser Stelle das Lesen unterbrechen und Gedanken machen !)
Jeder dieser Punkte hat seine eigenen Kommunikationsregeln.
Beispiel Telefonat::
in Deutschland: man meldet man sich idR. mit seinen Namen
in England: man meldet sich mit seiner Telefonnummer (altmodisch, aber noch gebraeuchlich) oder mit einen „hello“
in Brasilien mit einen eigenen Wort fuer Telefonmeldungen, was aehnlich einen langgezogenen „allooo“ klingt.
Es geht noch detailierter:
Telefonat in Deutschland privat: „hallo“
Telefonat in Deutschland geschaeftlich: „*Name* *Firma*, guten Tag“
Kundentelefonat in Deutschland: „*Firma* Guten Tag, mein Name ist *Name*. Was kann ich fuer sie tun?“
Jeder kann aehnliche Beispiele fuer andere Kommunikationsmedien nennen.
Wo ist das Problem?
Unterschaetzt wird oft die kulturelle Komponente.
Beispiel: Ein Englaender ruft einen seinen Geschaeftskollegen in Hamburg an. Der Englaender schildert sein Problem und bittet den Hamburger um eine Kleinigkeit. Der Hamburger hoert sich alles an ohne ein Wort zu sagen, und antwortet anschliessend mit einen kurzen „OK“ und legt auf. Anschliessend erledigt der Hamburger den kleinen Auftrag.
Die Katastrophe ist da, Folgeauftraege sind unwahrscheinlich.
Was war passiert?
Beide Gespraechsteilnehmer waren sich nicht ueber kulturelle Kommunikationsregeln im Klaren. Waehrend aus Sicht des Hamburgers ein „OK“ mit anschliessender Erledigung ausreichend erscheint, benoetigt der Englaender noch ein „Hello Mr. *Name*, how are you” sowie ein “Of course, no Problem, Glad I can help. Have a nice evening.”.
Der Hamburger wuerde sagen „*Name*, kannst Du mit mal kurz *kleiner Auftrag* machen?“.
Der Englaender wuerde sagen „Hello *Name*, how are you?„ [Antwort] “I wonder if you could do me a little favor?” [Antwort] “Could you please *kleiner Auftrag*? Thats very kind of you. Thank you so much“.
Wie sehr die Kommunikationsregeln sich unterscheiden zeigt sich wenn man einmal das Englische woertlich ins Deutsche uebersetzt: „Hallo *Name*, wie geht es Dir? Ich frage mich ob du mir einen kleinen Gefallen tuen koenntest. Koenntest du bitte *kleiner Auftrag*? Das ist sehr lieb von Dir. Vielen Dank“. Der Satz wirkt im Deutschen schleimig und unehrlich.
Der Hamburger wird also aus solch einen Telefonat mit dem Gefuehl heraus gehen, es mit einen schleimigen und unehrlichen Gespraechsteilnehmer zu tun zu haben. Der Englaender wird mit dem Gefuehl herausgehen, einen unfreundlichen Raubatz ,der ihn nicht mag, als Partner zu haben. Beide finden ihr Gegenueber doof/unfreundlich.
Ist erstenmal das Gefuehl eingetreten, das der Gegenueber ein Idiot ist so wird saemtliche Folgekommunikation unmoeglich. Ein Umstellen dieser Meinung ist nahezu unmoeglich. Mit VIEL Glueck wird bei einen persoenlichen Treffen ein „Oh – im realen Leben bei einen Bierchen ist der ja halbwegs in Ordnung“ fuer Entspannung sorgen. Die Chance sich zu einen Bierchen zu treffen ist jedoch astronomisch Klein und wuerde allerhoechstens auftreten, wenn der Chef ein Treffen gut faende.
Wahrscheinlicher ist es das es kein Folgeauftrag geben wird.
Nahezu in allen Bereichen lassen sich solche Beispiele finden.
Besonders kritisch ist auch die elektronische Kommunikation.
Die Email.
Emails werden von niemanden richtig beherrscht. Zwei ganz grosse Probleme zeichnet die Email aus:
1) Sie ist viel zu schnell geschrieben, und daher auch viel zu wenig bedacht.
2) Sie kommt bei dem Empfaenger ohne die emotionale Komponente an (beispielsweise Stimmlage beim Telefonat).
Ironie, Witz, Meinungen, Entschuldigungen usw. sind unmoeglich zu als solche zu Kennzeichnen (alberne Marker wie „ACHTUNG IRONIE“ helfen idR. nichts).
Diese Informationen sind jedoch zur Uebertragung des Inhaltes der Kommunikation unerlaesslich. Daher fuellt der Empfaenger diese Information mit seiner eigenen Kommunikationskultur, Erfahrung und Emotionalitaet auf.
90% der scheinbar uebermittelten Information kommt aus dem Kopf des Empfaengers und nicht des Senders.
(Es ist nicht ungewoehnlich, dass ein Empfaenger die selbe Email zwei mal bei jeweils anderer Laune liesst und zwei voellig unterschiedliche Botschaften emfaengt)
Missverstaendisse sind nicht nur wahrscheinlich, sondern vorprogrammiert.
Emails funktionieren nicht.
Wenn man nun ueberlegt was der Empfaenger falsch macht, so hat man schon den ersten Fehler gemacht.
Mache Dir beim Verfassen einer Email klar „Ich kann keine Email schreiben. Ich muss Aufpassen was ich schreibe.“
Ueberlege Dir nun „Wer ist mein Empfaenger ? Ist er mein Freund, ein Vereinskollege oder ein Arbeitskollege ? Wie gut kenne ich ihn?“
Frage Dich in welcher Stimmung er ist. Ueberlege Dir was der Empfaenger hoeren moechte und was Du sagen moechtest. Ueberlege was Du dem Empfaenger auf keinen Fall sagen darfst.“
Nun schreibe - aber noch nicht abschicken.
Nach dem Schreiben kommt das Wichtigeste. Ueberlege in welcher Beziehung dein Gegenueber Dich sieht. Glaubt er Du bist ein verlaesslicher Typ, ein Analytiver, eine Respektperson usw.
Bediene das Bild Deines Gegenuebers von Dir. Denk daran, dass die Email von ihm gelesen wird, und 90% der scheinbar uebermittelten Information aus SEINEM Weltbild kommt und nicht aus Deinen. Wenn Du versuchen moechtest dieses Bild von Dir zu aendern, so ist dies ein Prozess der unglaublich lange dauert und bestimmt nicht in einer Email zu bewaeltigen ist. Baue also auf dem Bild deines Gegenuebers von Dir auf,- und nicht auf deinen Bild des Gegenuebers.
Hierzu ein Beispiel:
A hat im letzten Jahr ein Projekt betreut. B kommt hinzu und moechte sich einbringen, hat jedoch eigene Vorstellungen.
B an A: „Letztes Jahr hat mir *Maengelliste* nicht gefallen. Ich moechte *Verbesserungsvorschlaege*“
Was liest B nun?
In A’s Weltbild ist das Projekt hervorragend gelaufen. A ist stolz auf das Projekt. Das Projekt ist sein Kind.
A wird also lesen „Du hast Mist gebaut. Du bist ein Idiot.“. Die Verbesserungsvorschlaege wird A gar nicht mehr lesen. In A’s Kopf wird sich nun das Bild von B veraendern.
„B hat gesagt ich (A) bin ein Idiot.“ Da jedoch jeder Mensch von sich selber glaubt kein Idiot zu sein, spricht B die Unwahrheit. „B hat immer unrecht und ist mein Feind“.
Ist es erst einmal so weit, koennte B in einer zweiten Email an A schreiben „Aepfel wachsen auf Obstplantagen“ – A wuerde nur noch lesen „Mein Feind, der Idiot B sagt, Aepfel wachsen immer auf Obstplantagen. B hat immer unrecht. Aepfel wachsen gar nicht immer auf Plantagen“. A wuerde nun solange googeln bis er etwas findet und so etwas antworten wie „Das Aepfel immer auf Obstplantagen wachsen ist Unsinn. In Holland gibt es riesige Gewachshaeuser in denen Aepfel unter kuenstlichen Bedingungen industriell hergestellt werden.“, oder falls Du sorgfaeltig rechhaschiert hast ist sogar eine Antwort denkbar wie „Deine Emailkodierung ist furchtbar. Deine Umlaute funktionieren nicht und du Quotest falsch.“. Ab diesem Zeitpunkt ist alles zu spaet.
Interessanterweise ist zu diesem Zeitpunkt sowohl A als auch B der Meinung den jeweils anderen niemals persoenlich angegriffen zu haben.
Wichtig ist also beim Verfassen der Email sich Gedanken zu machen wie die Email GELESEN wird. Gibt es eine Person die das Projekt gemacht hat? Wer ist dies? Warum hat er es so gemacht und nicht anders?
„Hallo A,
Letztes Jahr hast Du dieses tolle Projekt gemacht. Ich wollte dieses Jahr etwas ganz aehnliches machen. Meine Ideen sind *Verbesserungsvorschlaege*, um auf diese Weise zu verhindern das *Maengelliste* passiert. Vielleicht koennen wir und ja mal zusammensetzten“
Besser ist es, wenn man sogar die Maengelliste ganz weglasst und in der Kommunikation A dazu bringt selber eine Maengelliste aufzustellen.
Noch besser: man laesst sogar die Verbesserungsvorschlaege weg und bringt A dazu durch Nachdenken selber auf diese Liste zu kommen.
An diesen Punkt ist wichtig das sich jeder eingebunden fuehlt. Das Entstehen der Verbesserungsliste und der Maengelliste in diesem Beispiel ist von B erledigt.
Dies wuerde bei A jedoch ein unangenehmes Gefuehl des Ueberstuelpens hervorrufen. Dies kann schon der Ausloeser dafuer sein, das sich A negativ kritisiert fuehlt.
In einen Telefonat ist es teilweise moeglich das Gespraech dahin zu bewegen, dass A ins erzaehlen kommt, und aus seiner Perspektive den Projektverlauf schildert. Erst dann kann die Maengelliste durchgegeben werden mit dem Gefuehl dass auch A vollstaendig diese Liste unterschreiben wuerde.
In einer Email ist so etwas nahezu unmoeglich.
Bei Gruppenbeziehungen ist es nocheinmal komplizierter.
Menschen neigen dazu in Kategorien wie „ich“ und „ihr“ zu denken.
Beispiel:
Du bestellt bei einen Telekommunikationsunternehmen eine DSL-Leitung.
Der Auftrag geht verschuett und es passiert gar nichts.
Du wirst nun denken „Das Telekommunikationsuternehmen ist unfaehig ihre Bestellungen zu organisieren und inkompetent“
Du wirst hingegen niemals denken „Der Call-Center-Agent bei dem ich bestellt habe ist ueberlastet und hat in der Eile meinen Namen nicht richtig in das Formular eingetragen“
Von nun an wirst Du jedesmal wenn Du einen Techniker des Telekommunikationsunternehmens auf der Strasse siehst denken „inkompetenter Idiot“
Wenn Du nun umgekehrt in einer Gruppe bist, musst Du immer daran denken das dein Empfaenger bereits ein Bild von Dir im Kopf hat aufgrund von seiner Erfahrung mit der Gruppe, obwohl Du persoenlich noch gar nicht kommuniziert hast.
Schwierig !
Ueberlege also welches Bild von Deine Gruppe existiert.
Versuch nicht dieses Bild abzustreiten oder zu veraendern. Es wird dir nicht in einer Email gelingen. Abgerglaeubische Menschen benutzen teilweise sogar Fusszeilen wie „ich spreche nicht in Namen meiner Gruppe“. Genauso gut koennte man auch schreiben „Alles was ich eben geschrieben habe, habe ich nicht geschrieben“.
Nun koennte man denken „Wenn ich zu meiner Empfaengergruppe schreibe kann ich ruhig ehrlich sein. Ich brauche nicht um den heissen Brei herum reden. Ich kann direkt sagen was Sache ist.“ Die Begriffe ‚ehrlich’ und ‚um den heissen Brei herumreden’ schliessen sich jedoch nicht gegenseitig aus. Auch koennte man denken „wieso muss ich meine Kommunikation so gestalten dass ich den anderen manipulieren muss“. Das tust Du gar nicht. Der andere ist ja nicht doof. Er wird in der Regel genau wissen worauf Du hinaus willst. Kurioserweise ist es trotzdem sinnvoll auf die Kommunikation zu achten – auch wenn beide Kommunikationspartner schon im Vorfeld wissen was Sache ist.
Posted by iscs at 00:36 | Comments (385) | TrackBack
13.03.05
Kuenstliche Nahrung fuer Naturfetischisten
"Ess doch nicht dieses kuenstliche Zeugs! Da ist ja nichts natuerliches mehr dran! Das kann doch nicht gesund sein." Diesen Satz muessen sich Herschaaren von jungen Maennern anhoeren die nicht peinlichst genau auf ihre Ernaehrung achten und zu einen Hamburger nicht nein sagen koennen. All jenen Leidgeplagten moechte ich zurufen "Auch die Vegetarier essen ausschliesslich kuenstliches Essen"
Kohl:
Die heutigen Kohlsorten stammen alle von einen "Urkohl" ab, welcher jedoch heute nur noch in historischen Sagen vorkommt. Die eigentliche Pflanze ist ausgestorben und scheint schon fast selber nur ein Mythos zu sein. Zu den Zuechtungen aus dem Urkohl gehoeren
Weißkohl, Rothohl, Wirsing, Chinakohl, Blätterkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Braun- und Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Gartenkohls, Rosenkohl, Sprossenkohl, Blätterkohl, Winterkohl und so weiter.
Die historischen Quellen zum Urkohl sind unklar. Im klassischen Altertum (Griechen, Roemer usw) wurde wohl schon fleissig Kohl in verschiedenen Variationen verspeisst. Die Zuechtung muss damals also wohl schon weit fortgeschritten sein. Es gibt eine Wildpflanze in Mittel und Nordeuropa (Meerkohl) welche mit den Kohl verwand zu sein scheint. Ob es sich dabei um einen Nachfahren des Urkohls handelt oder um eine verwilderte fruehe Zuchtung ist unklar.
Manche vermuten die Urspruengliche Heimat des Kohls daher in Nord- und Mitteleuropa, andere Theorien sprechen von Italien. Auf jeden Fall ist der Kohl schon sehr frueh ueber die ganze Welt gereist und wurde dabei fleissig veraendert.
Weizen:
Vermutlich aus dem Nahen Osten wo er vermutlich schon im 7. vorchristlichen Jahrtausend angebaut wurde und seit dem veraendert wurde. Der naechste wilde Verwandte scheint der Einkorn zu sein, welcher jedoch ein Nachfahre frueher Zuechtungen zu sein scheint. (Eventuell auch nicht)
Apfel (und andere Fruechte):
Vermutlich aus Asien. Der naechste wilde Verwandte ist der "Holzapfel" mit einer erdbeergrossen Frucht. Es ist jedoch umstritten ob der Holzapfel der Ur-Apfel war oder eine verwilderte fruehe Zuechtung.
Die Kultur-Aepfel aus dem Supermarkt sind so verstuemmelt, dass sie nicht aus eigener Kraft wachsen koennen. Daher wird ein wildnaeher Apfelbaum als Grundlage genommen, in welchen das genetische Material einer Apfelzuechtung eingesetzt wird (Veredelung), sodass das Wurzelwerk und der Stamm aus dem wildnahen Baum ist, die Krone mit den Fruechten jedoch ein (genetisch gesehen) ganz anderer Baum ist.
Dieser Trick des Aufprophen/Veredeln des Baumes mit genetischen Material ist seit Jahrtausenden weit verbreitet im Fruechteanbau (Praktisch alle Fruechte im Supermarkt sind auf diese Weise gewachsen)
Da das genetische Material des Kulturapfels an sich nicht mehr vermehrungsfaehig ist, wird er durch künstliche Vermehrung in Labors (bereits seit Jahrtausenden) vermehrt.
Wann dies alles angfangen hat ist nicht ganz nachvollziehbar. Auf jeden Fall war es zur klssischen Antike bereits gang und gebe.
Hier stoppe ich. Jedoch waere fuer nahezu jede Speise aus dem Supermarkt nachweisbar, dass es diese Form in der Natur urspruenglich nicht gaebe.
(Das selbe gild natuerlich auch fuer Fleisch,- wo teilweise die Wildvorfahren schon lange ausgestorben sind)
In diesem Sinne:
Natuerliche Nahrung gibs nich mal mehr im Wald (Schliesslich gibt es in Deutschland nur noch 2 kleine Urwaeldchen welche nicht durch Menschen angepflanzt wurden).
Heute gibt es 2 Burger zum Preis von einen.
Posted by iscs at 18:33 | Comments (121) | TrackBack
26.02.05
Telefonkabel
Kuerzlich habe ich auf einer Party gelernt, dass Telefonkabel in der Stadt mit einen Gas unter Druck gesetzt werden.
Dies hat zwei Vorteile:
1) Bei einen Loch im Schutzmantel des Kabel stroemt das Gas dort heraus, sodass kein Wasser eindringen kann.
2) Bei einen Loch im Schutzmantel des Kabel merkt dieses anhand des Druckabfalls und kann das Loch lokalisieren.
Ich fand das interessant genug um es mal zu bloggen.
Nachtrag:
Folgender Kommentar (Danke "fh") ging auf den Blogeintrag ein, welcher unbedingt in den Artikel selber gehoert:
"Es gibt auch Telefonkabel, die statt Gas eine Öl-ähnliche weisse klebrige Masse haben - wenn es nun ein Loch im Mantel gibt, tritt ein Teil von diesem Zeug aus und verklebt es sofort wieder.
Allerdings ist es dann eine ziemliche Sauerei wenn man das Kabel am Ende abisolieren und auflegen darf.. :)"
Posted by iscs at 14:22 | Comments (96) | TrackBack
18.02.05
Pseudophilosophie
Heute moechte ich mich ueber folgenden Satz aufregen:
"Und und selbst die Geschichte unsere Erde ist nur ein winziger Wimpernschlag in der Unendlichkeit des Universums"
Jeder kennt die Situation: Party ! Alle sind betrunken und der letzte Rest in der Kueche versucht Maedels mit Pseudophilosophie zu beeindrucken. "....Und und selbst unsere Erde ist nur ein winziger Wimpernschlag in der Unendlichkeit des Universums"
Noch schlimmer sind Menschen die solche Saetze nuechtern sagen, wenn sie zufaellig mal durch die Lichtverschmutzung hindurch einen Stern am Himmel sehen. Womoeglich um romantisch zu sein.
Furchtbar.
Und falsch !
Was soll dieser Satz denn bedeuten? Ist das etwa eine Entschuldigung, dass wir immer noch auf diesen mittlerweile voellig zerwohnten Planeten festhaengen und ausser Computer die uns sagen dass der Planet voellig zerwohnt ist keinen nennenswerten technischen Fortschritt mehr gemacht haben seitdem wir in den 70ern geglaubt haben dass spaetestsns im Jahr 2000 der Mond besiedelt ist und Autos fliegen koennen und uns stattdessen damit beschaeftigen irgendwelche Rechte an Nullen und Einsen zu verwalten?
Das Universum mag zwar gross und leer sein und wird durchkreutzt von Lichtgeschwindigkeits-langsamen Signalen -
- aber sooo alt ist es nicht !
Und unsere Existens ist garnicht so kurz darin:
- Das Universum ist 13,7 Milliarden Jahre alt.
- Unsere Sonne ist 4,6 Milliarden alt.
- Die Erde ist 4,55 Milliarden Jahre alt (fast so alt wie die Sonne)
- Das Leben auf der Erde ist ca. 4 Milliarden Jahre alt.
- 3.5 Milliarden Jahre alte Lebewesen koennen wir heute noch als Sediment in die Hand nehmen.
- Der Mensch ist 200.000 Jahre alt
- meine Oma wurde 85 Jahre
- Ein Wimpernschlag ist 0.1 Sekunden lang
Setzt man das Alter des Lebens mit dem Alter des Universums in Relation so ergibt sich:
4 Milliarden Jahre
----------------------- = 0,2919 ~=~ 0,3
13,7 Milliarden Jahre
Das Universum ist nur ein wenig mehr als 3 mal so alt wie das Leben auf der Erde.
Ich moechte nicht respecktlos gegenueber dem Alter des Universums erscheinen, aber das ist jedenfalls mehr als ein Wimpernschlag!
Selbst das Alter der Menschheit in Relation mit dem Alter des Universums:
200 000 Jahre
------------------------ = 0.0000146 = ein 14 Millionstel
13,7 Milliarden Jahre
...diese Zahl sieht bloed aus, also nehmen wir den Kehrwert:
13,7 Milliarden Jahre
------------------------ = 68 500
200 000 Jahre
Das Universum ist 68 500 mal so alt wie die Menschheitsgeschichte.
Und das soll nur ein Wimpernschlag im Alter des Universums sein?
Ein Wimpernschlag ist 100 ms = 0.1 Sekunden lang.
Meine Oma wurde 85 Jahre
85 Jahre (=2 682 396 000 Sekunden)
------------------------------------------ = 26 823 960 000
0.1 Sekunden
Meine Oma wurde also fast 27 Milliarden Wimpernschlaege alt.
Umgekehrt ist ein Wimpernschlag also ein 27 Milliardstel der Lebensgeschichte meiner Oma.
Die Lebensgeschichte der Menschheit ist jedoch ein 68.5 Tausenstel des Alter des Universums. Dazischen liegen einige Zehnerpotenzen.
Die Menschen sind also schon WESENTLICH laenger im Universum als ein Wimpernschlag im Leben meiner Oma.
Nun das Leben meiner Oma in Relation mit dem Universum:
13,7 Milliarden Jahre
------------------------ = 161 176 470
85 Jahre
Die Lebensspanne meiner Oma passt 161 Millionen mal in das Alter des Universums. Das ist immer noch wesentlich mehr als ein Wimpernschlag im Leben meiner Oma welches nur ein 27 Milliardstel ist.
Also - kommt mal runter - so alt ist das Universum nicht. Und Unendlich ist das Universum schon garnicht. Und bald ist es auch wieder kaputt.
Posted by iscs at 19:43 | Comments (239) | TrackBack
31.01.05
Der Verpeilungsfaktor schlaegt zu
Da ich ganz viele andere Dinge tuen sollte, als die dinge die ich momentan tue, moechte ich meine aufmerksamkeit (blogs dienen haputsaechlich dem author selber) auf einen artikel von mir lenken den ich vor einigen jahren im wiki des koelner chaos computer clubs veroeffentlicht habe welcher erklaert woran man umbedingt denken muss wenn man dinge tuen will.
Der Verpeilungsfaktor bestimmt sich nach der folgenden Formel:
Ps = von einen Teammitglied geschätzte Projektdauer
Pi = tatsächliche Dauer eines Projektes
Vq = VerpeilungsFaktor
Pi
Vq = ----
Ps
Erkennbar ist, dass der Verpeilungsfaktor gegen unendlich läuft, wenn die tatsächliche Projektzeit steigt. Der theoretische Verpeilungsfaktor von 1 ist in der Praxis noch nie beobachtet worden.
Verpeilungsfaktoren müssen bei allen Projekten mit einkalkuliert werden. Da Pi aber nicht zu Beginn des Projektes (Pb) bekannt ist, sondern erst zum Zeitpunkt des Abschlusses des Projektes (Pe), ist die Verpeilungsvorhersage ein sehr schwieriges Themengebiet. In chaosnahen Strukturen wird diese Tätigkeit meistens durch den Chef Verpeiler wahrgenommen.
Der Chef Verpeiler zieht zur Vorhersage des Verpeilungsfaktors meistens eine Menge vorhersehbarer Faktoren ein.
Definieren wir zunaechst folgende Faktoren:
Pp: Anzahl der an dem Projekt beteiligen Personen
Pc: Anzahl der projektinternen Schnittstellen
Pa: Anzahl der Projektinternen Abhängigkeiten
Kd: Anzahl der direkten Kommunikationsschnittstellen
(Eine direkte Kommunikationsschnittstelle ist gegeben, wenn die beiden Personen A und B direkt miteinander sprechen)
Ki: Anzahl der indirekten Kommunikationsschnittstellen
(Eine indirekte Kommunikationsschnitstelle ist gegeben, wenn die beiden Personen A und B ausschließlich ueber C miteinander sprechen. C kann beispielsweise eine im Dienstweg vorgesehene Person sein)
Tm: Klatsch- und Tratschanteil.
(Anteil der Projektzeit, den die Projektbeteiligten mit Geschwätz verbringen. Hierzu ist das soziale Geflecht von Pp einzuschaetzen)
Lg: Menge der zu transportierenden, physikalisch vorhandenen Gegenstände
Lp: Anzahl der Personen, welche physikalisch vorhandene Gegenstände transportieren.
W: Räumliche Entfernung zwischen den Projektbeteiligten
Der ChefVerpeiler kann sich auf folgende Faustregeln zur Verpeilungsvorhersage stützen:
Strebt Pp gegen unendlich, so geht Vp geradlinig gegen unendlich.
Strebt Pc gegen unendlich, so geht Vp logarithmisch gegen unendlich.
Pa geht im Quadrat in Vp ein.
Strebt Kd gegen 0, so strebt Vp gegen unendlich
Ki geht im Kubik in Vp ein.
Die Abhängigkeit von Tm zu Vp laesst sich in einer nach oben offenen Parabel beschreiben.
der Wendepunkt der Parabel liegt bei Tm=20%
die beiden Extrema von Tm (0% und 100%) lassen Vp gegen unendlich streben.
Dieses begründet sich auf der Beobachtung, dass bei Tm=0% zu wenig Kommunikation fuer ein Projekt fließt, waehrend bei Tm=100% keine Zeit zum Arbeiten bleibt.
Lg geht zur Quadratwurzel ein in Vp
Lp geht im Quatrat ein in Vp
W geht linear ein in Vp
Andere Thesen gehen davon aus, dass es sich bei dem Verpeilen nicht um ein natuerliches Phenomen, sondern ein menschliches Problem handelt. Der Nachweiss dass nur Einzelpersonen betroffen sind steht jedoch noch aus.
Posted by iscs at 20:30 | Comments (96) | TrackBack