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27.04.05

Das sicherste Verkehrsmittel der Welt

Heute ist der neue Arbus 380 erfolgreich eine Platzrunde geflogen.
Gratulation. Solche Weiterentwicklungen haben wir hier dringend noetig, seit sich in den 70ern nichts mehr getan hat auf diesem Planeten.

Bekanntlich ist das Flugzeug das sicherste Verkehrsmittel der Welt.

Eine Interesannte Datenbank zum Thema Flugzeugabstuerze findet sich hier

Pro Monat sind dort etwa 3 grosse Unfaelle mit mehreren Toten verzeichnet.

Posted by iscs at 18:41 | Comments (82) | TrackBack

23.04.05

Warum Emails nicht funktionieren

Manche Dinge sind unter anderen deshalb so kompliziert weil viele Leute glauben die Sache zu beherrschen – es in Wirklichkeit jedoch von niemanden beherrscht wird.
Nicht nur das es niemand wirklich beherrscht, es ist auch noch per Definition unkompatibel zueinander. Sowohl in vielen Faellen technisch inkompatibel, als auch in den meisten Faellen kulturell inkompatibel.
Eigentlich kann sie gar nicht funktionieren.

Wir reden von der Kommunikation.

Bevor man sich anschaut warum Kommunikation nicht funktionieren kann sollte man sich kurz Gedanken machen ueber folgende Begriffe:.
- Kommunikationsmedium (Gespraech, Telefon, Email)
- Sprache (Deutsch, Englisch)
- Kulturkreis (Freunde, Familie, Verein, Arbeitskollegen, Oeffentlickeit)
- Kulturelle Gewohnheiten (Wie kommuniziere ich mit einen aus Berlin, aus Koeln, aus England, aus Brasilien)

(bitte an dieser Stelle das Lesen unterbrechen und Gedanken machen !)

Jeder dieser Punkte hat seine eigenen Kommunikationsregeln.
Beispiel Telefonat::
in Deutschland: man meldet man sich idR. mit seinen Namen
in England: man meldet sich mit seiner Telefonnummer (altmodisch, aber noch gebraeuchlich) oder mit einen „hello“
in Brasilien mit einen eigenen Wort fuer Telefonmeldungen, was aehnlich einen langgezogenen „allooo“ klingt.
Es geht noch detailierter:
Telefonat in Deutschland privat: „hallo“
Telefonat in Deutschland geschaeftlich: „*Name* *Firma*, guten Tag“
Kundentelefonat in Deutschland: „*Firma* Guten Tag, mein Name ist *Name*. Was kann ich fuer sie tun?“

Jeder kann aehnliche Beispiele fuer andere Kommunikationsmedien nennen.

Wo ist das Problem?

Unterschaetzt wird oft die kulturelle Komponente.
Beispiel: Ein Englaender ruft einen seinen Geschaeftskollegen in Hamburg an. Der Englaender schildert sein Problem und bittet den Hamburger um eine Kleinigkeit. Der Hamburger hoert sich alles an ohne ein Wort zu sagen, und antwortet anschliessend mit einen kurzen „OK“ und legt auf. Anschliessend erledigt der Hamburger den kleinen Auftrag.

Die Katastrophe ist da, Folgeauftraege sind unwahrscheinlich.

Was war passiert?
Beide Gespraechsteilnehmer waren sich nicht ueber kulturelle Kommunikationsregeln im Klaren. Waehrend aus Sicht des Hamburgers ein „OK“ mit anschliessender Erledigung ausreichend erscheint, benoetigt der Englaender noch ein „Hello Mr. *Name*, how are you” sowie ein “Of course, no Problem, Glad I can help. Have a nice evening.”.
Der Hamburger wuerde sagen „*Name*, kannst Du mit mal kurz *kleiner Auftrag* machen?“.
Der Englaender wuerde sagen „Hello *Name*, how are you?„ [Antwort] “I wonder if you could do me a little favor?” [Antwort] “Could you please *kleiner Auftrag*? Thats very kind of you. Thank you so much“.
Wie sehr die Kommunikationsregeln sich unterscheiden zeigt sich wenn man einmal das Englische woertlich ins Deutsche uebersetzt: „Hallo *Name*, wie geht es Dir? Ich frage mich ob du mir einen kleinen Gefallen tuen koenntest. Koenntest du bitte *kleiner Auftrag*? Das ist sehr lieb von Dir. Vielen Dank“. Der Satz wirkt im Deutschen schleimig und unehrlich.

Der Hamburger wird also aus solch einen Telefonat mit dem Gefuehl heraus gehen, es mit einen schleimigen und unehrlichen Gespraechsteilnehmer zu tun zu haben. Der Englaender wird mit dem Gefuehl herausgehen, einen unfreundlichen Raubatz ,der ihn nicht mag, als Partner zu haben. Beide finden ihr Gegenueber doof/unfreundlich.

Ist erstenmal das Gefuehl eingetreten, das der Gegenueber ein Idiot ist so wird saemtliche Folgekommunikation unmoeglich. Ein Umstellen dieser Meinung ist nahezu unmoeglich. Mit VIEL Glueck wird bei einen persoenlichen Treffen ein „Oh – im realen Leben bei einen Bierchen ist der ja halbwegs in Ordnung“ fuer Entspannung sorgen. Die Chance sich zu einen Bierchen zu treffen ist jedoch astronomisch Klein und wuerde allerhoechstens auftreten, wenn der Chef ein Treffen gut faende.

Wahrscheinlicher ist es das es kein Folgeauftrag geben wird.

Nahezu in allen Bereichen lassen sich solche Beispiele finden.

Besonders kritisch ist auch die elektronische Kommunikation.

Die Email.

Emails werden von niemanden richtig beherrscht. Zwei ganz grosse Probleme zeichnet die Email aus:
1) Sie ist viel zu schnell geschrieben, und daher auch viel zu wenig bedacht.
2) Sie kommt bei dem Empfaenger ohne die emotionale Komponente an (beispielsweise Stimmlage beim Telefonat).
Ironie, Witz, Meinungen, Entschuldigungen usw. sind unmoeglich zu als solche zu Kennzeichnen (alberne Marker wie „ACHTUNG IRONIE“ helfen idR. nichts).
Diese Informationen sind jedoch zur Uebertragung des Inhaltes der Kommunikation unerlaesslich. Daher fuellt der Empfaenger diese Information mit seiner eigenen Kommunikationskultur, Erfahrung und Emotionalitaet auf.
90% der scheinbar uebermittelten Information kommt aus dem Kopf des Empfaengers und nicht des Senders.
(Es ist nicht ungewoehnlich, dass ein Empfaenger die selbe Email zwei mal bei jeweils anderer Laune liesst und zwei voellig unterschiedliche Botschaften emfaengt)

Missverstaendisse sind nicht nur wahrscheinlich, sondern vorprogrammiert.
Emails funktionieren nicht.

Wenn man nun ueberlegt was der Empfaenger falsch macht, so hat man schon den ersten Fehler gemacht.
Mache Dir beim Verfassen einer Email klar „Ich kann keine Email schreiben. Ich muss Aufpassen was ich schreibe.“
Ueberlege Dir nun „Wer ist mein Empfaenger ? Ist er mein Freund, ein Vereinskollege oder ein Arbeitskollege ? Wie gut kenne ich ihn?“
Frage Dich in welcher Stimmung er ist. Ueberlege Dir was der Empfaenger hoeren moechte und was Du sagen moechtest. Ueberlege was Du dem Empfaenger auf keinen Fall sagen darfst.“
Nun schreibe - aber noch nicht abschicken.
Nach dem Schreiben kommt das Wichtigeste. Ueberlege in welcher Beziehung dein Gegenueber Dich sieht. Glaubt er Du bist ein verlaesslicher Typ, ein Analytiver, eine Respektperson usw.
Bediene das Bild Deines Gegenuebers von Dir. Denk daran, dass die Email von ihm gelesen wird, und 90% der scheinbar uebermittelten Information aus SEINEM Weltbild kommt und nicht aus Deinen. Wenn Du versuchen moechtest dieses Bild von Dir zu aendern, so ist dies ein Prozess der unglaublich lange dauert und bestimmt nicht in einer Email zu bewaeltigen ist. Baue also auf dem Bild deines Gegenuebers von Dir auf,- und nicht auf deinen Bild des Gegenuebers.

Hierzu ein Beispiel:

A hat im letzten Jahr ein Projekt betreut. B kommt hinzu und moechte sich einbringen, hat jedoch eigene Vorstellungen.
B an A: „Letztes Jahr hat mir *Maengelliste* nicht gefallen. Ich moechte *Verbesserungsvorschlaege*“
Was liest B nun?
In A’s Weltbild ist das Projekt hervorragend gelaufen. A ist stolz auf das Projekt. Das Projekt ist sein Kind.
A wird also lesen „Du hast Mist gebaut. Du bist ein Idiot.“. Die Verbesserungsvorschlaege wird A gar nicht mehr lesen. In A’s Kopf wird sich nun das Bild von B veraendern.
„B hat gesagt ich (A) bin ein Idiot.“ Da jedoch jeder Mensch von sich selber glaubt kein Idiot zu sein, spricht B die Unwahrheit. „B hat immer unrecht und ist mein Feind“.
Ist es erst einmal so weit, koennte B in einer zweiten Email an A schreiben „Aepfel wachsen auf Obstplantagen“ – A wuerde nur noch lesen „Mein Feind, der Idiot B sagt, Aepfel wachsen immer auf Obstplantagen. B hat immer unrecht. Aepfel wachsen gar nicht immer auf Plantagen“. A wuerde nun solange googeln bis er etwas findet und so etwas antworten wie „Das Aepfel immer auf Obstplantagen wachsen ist Unsinn. In Holland gibt es riesige Gewachshaeuser in denen Aepfel unter kuenstlichen Bedingungen industriell hergestellt werden.“, oder falls Du sorgfaeltig rechhaschiert hast ist sogar eine Antwort denkbar wie „Deine Emailkodierung ist furchtbar. Deine Umlaute funktionieren nicht und du Quotest falsch.“. Ab diesem Zeitpunkt ist alles zu spaet.
Interessanterweise ist zu diesem Zeitpunkt sowohl A als auch B der Meinung den jeweils anderen niemals persoenlich angegriffen zu haben.

Wichtig ist also beim Verfassen der Email sich Gedanken zu machen wie die Email GELESEN wird. Gibt es eine Person die das Projekt gemacht hat? Wer ist dies? Warum hat er es so gemacht und nicht anders?
„Hallo A,
Letztes Jahr hast Du dieses tolle Projekt gemacht. Ich wollte dieses Jahr etwas ganz aehnliches machen. Meine Ideen sind *Verbesserungsvorschlaege*, um auf diese Weise zu verhindern das *Maengelliste* passiert. Vielleicht koennen wir und ja mal zusammensetzten“
Besser ist es, wenn man sogar die Maengelliste ganz weglasst und in der Kommunikation A dazu bringt selber eine Maengelliste aufzustellen.
Noch besser: man laesst sogar die Verbesserungsvorschlaege weg und bringt A dazu durch Nachdenken selber auf diese Liste zu kommen.

An diesen Punkt ist wichtig das sich jeder eingebunden fuehlt. Das Entstehen der Verbesserungsliste und der Maengelliste in diesem Beispiel ist von B erledigt.
Dies wuerde bei A jedoch ein unangenehmes Gefuehl des Ueberstuelpens hervorrufen. Dies kann schon der Ausloeser dafuer sein, das sich A negativ kritisiert fuehlt.

In einen Telefonat ist es teilweise moeglich das Gespraech dahin zu bewegen, dass A ins erzaehlen kommt, und aus seiner Perspektive den Projektverlauf schildert. Erst dann kann die Maengelliste durchgegeben werden mit dem Gefuehl dass auch A vollstaendig diese Liste unterschreiben wuerde.
In einer Email ist so etwas nahezu unmoeglich.

Bei Gruppenbeziehungen ist es nocheinmal komplizierter.
Menschen neigen dazu in Kategorien wie „ich“ und „ihr“ zu denken.

Beispiel:
Du bestellt bei einen Telekommunikationsunternehmen eine DSL-Leitung.
Der Auftrag geht verschuett und es passiert gar nichts.
Du wirst nun denken „Das Telekommunikationsuternehmen ist unfaehig ihre Bestellungen zu organisieren und inkompetent“
Du wirst hingegen niemals denken „Der Call-Center-Agent bei dem ich bestellt habe ist ueberlastet und hat in der Eile meinen Namen nicht richtig in das Formular eingetragen“
Von nun an wirst Du jedesmal wenn Du einen Techniker des Telekommunikationsunternehmens auf der Strasse siehst denken „inkompetenter Idiot“

Wenn Du nun umgekehrt in einer Gruppe bist, musst Du immer daran denken das dein Empfaenger bereits ein Bild von Dir im Kopf hat aufgrund von seiner Erfahrung mit der Gruppe, obwohl Du persoenlich noch gar nicht kommuniziert hast.
Schwierig !
Ueberlege also welches Bild von Deine Gruppe existiert.
Versuch nicht dieses Bild abzustreiten oder zu veraendern. Es wird dir nicht in einer Email gelingen. Abgerglaeubische Menschen benutzen teilweise sogar Fusszeilen wie „ich spreche nicht in Namen meiner Gruppe“. Genauso gut koennte man auch schreiben „Alles was ich eben geschrieben habe, habe ich nicht geschrieben“.

Nun koennte man denken „Wenn ich zu meiner Empfaengergruppe schreibe kann ich ruhig ehrlich sein. Ich brauche nicht um den heissen Brei herum reden. Ich kann direkt sagen was Sache ist.“ Die Begriffe ‚ehrlich’ und ‚um den heissen Brei herumreden’ schliessen sich jedoch nicht gegenseitig aus. Auch koennte man denken „wieso muss ich meine Kommunikation so gestalten dass ich den anderen manipulieren muss“. Das tust Du gar nicht. Der andere ist ja nicht doof. Er wird in der Regel genau wissen worauf Du hinaus willst. Kurioserweise ist es trotzdem sinnvoll auf die Kommunikation zu achten – auch wenn beide Kommunikationspartner schon im Vorfeld wissen was Sache ist.

Posted by iscs at 00:36 | Comments (385) | TrackBack

22.04.05

Max und Moritz Reloaded

Wie wuerde ein Film aussehen wenn Quentin Tarantino in der Zeit des Schlager-Kinofilms deutsche Geschichte studiert haette, und 15 Jahre nach der Wiedervereinigung einen pedagogischen Lehrfilm drehen wuerde.
Die Antwort laeuft zur Zeit in den Kinos an.
"Max und Moritz realoded" ist nicht das, was man von einer deutschen Komoedie erwartet.

Irgendetwas zwischen Punk, den Unterschieden zwischen West-Klischees und Ost-Klischees, melakonischen Singsang, Sozialkritik und vorpubataeren Gewalt und Sex-Phantasien. Zeitweise aufkommenene Vergangenheitsverklaertheit wird jedoch schnell genug abgestreift "Warum wart ihr im Osten eigentlich so bloed?"
Politische Unkorrektheit wird hierbei grossgeschrieben.
Der Schlussatz "Ergiebt diese Scheisse irgendeinen Sinn fuer Dich" trifft den Nagel auf den Kopf.

Wer einmal die Polizei in Hollywoodschaukeln auf einer Landstrasse einen Ferrari stoppen sehen moechte, alte DDR-Schlager aus dem Munde des Prinzen-Saengers (einer der Schauspieler) hoeren moechte oder einfach Schiesserreien vor der Szenerie naturbelassener Tueringer Heidelandschaft oder alten Braunkohleabbaugebieten sehen moechte und dabei stets bewundern moechte wie die Filmcrew mit ihren kleinen Geldmitteln sich ueberhaupt das Filmmaterial leisten konnte - der ist in diesem Film richtig.

Die Handlung:
Die beiden vorpubataeren Jungs Max und Moritz werden nach einer Spritztour in einen geklauten Auto mit den Toechtern irgendeines Senatsmitgliedes von der Stadt Hamburg zur Besserung nach Thueringen geschickt. "Hauptsache weg" sagen sich die Stadt und die Kneipenschlampen-Mutter.
Sorge hat lediglich die Frau von der staatlichen Erziehungshilfe. In Thueringen landen die beiden in einen alten Militaercamp, welches von zwei in Erinnerungen schwelgenden schwulen NVA Soldaten bewohnt wird. Nach einigen Umerziehungsversuchen versuchen Max und Moritz sich dann doch als Kommunisten und Enteignen kurzerhand das NVA-Paerchen.
(Ab hier Spoiler !)
Als sie wenig spaeter das Auto eines faschistischen Dorf-Puffbetreiber enteignen, jedoch ein wenig spaeter geschnappt werden, werden sie von dem Puff-Betreiber eine Weile lang gefoltert, wovon die hamburger Sozialtante der staatlichen Erziehungshilfe Wind bekommt und mit der Mutter zur Hilfe eilen moechte.
Nachdem unter den Beteiligen einige maerkwuerdige Sexpartner-Kombinationen durchprobiert worden sind, erschiessen Max und Moritz den Dorf-Puffbetreiber in einer Racheaktion, werden aber wenig spaeter selber von zufaellig vorbeifahrenen Bayern aus ihrem Wohnmobil erschossen.
2 Jahre spaeter betreiben die Mutter, die Sozialtante mit ihren neuen Nachwuchs (Max II und Moritz II) und das NVA-Paerchen ein sozialisisches Bootcamp.
Ende gut alles gut.

Darsteller:
Kai Müller, Willi Gerk, Katy Karrenbauer, Franziska Petri, Sebastian Krumbiegel, Toni Krahl, Ben Becker, Karen Böhne, Armin Dillenberger, Antonia Cäcilia Holfelder, Harry Baer, Tini Howarth, Steffen Jürgens, Stefan Lampadius, Roxanne Borski, Anna Hausburg, Marc Bischoff, Pit Bukowski, Anton Lewit, Numan Acar, Michael Ginsburg, Olaf Lippke, Turgay Manduz, Vera Müller, Hakan Orbeyi, Jochen Röder, Ruwen Schneider, Eckhard Theophil

Buch:
Thomas Frydetzki, Laurens Straub, Eckhard Theophil

Produzenten:
Clementina Hegewisch, Rainer Kölmel, Laurens Straub

Dieses war der erste Streich.

Posted by iscs at 02:18 | Comments (127) | TrackBack

21.04.05

Stromunfaelle

Ein gewisser Martin fragt in einen Komentar auf meinen AC/DC-Artikel:
"Ab welcher Spannungshöhe und Stromstärke wird es lebensgefährlich? Im KFZ haben wir Gleichspannung 12 Volt und 20 Ampere Sicherungen. Ist das harmlos? Im Haushalt haben 16 Ampere und 230 Volt Wechselspannung. Das ist lebensgefährlich. Warum ist das so?"

Bei Elekrtoschweissen hat man auch nur Spannungen von 12V und Stroeme von 50-140 A. Das reicht um Metal zu schweissen,- und sicher reicht es auch um deinen Koerper ernsthaft zu verletzen.

Die Frage "Ab wann ist Strom lebensgefaehrlich" ist nicht ganz so einfach zu beantworten.
Der Koerper wird ueber elekrtische Signale gesteuert, welche in den Nerven vom Gehirn zu den Muskeln laufen. (Auch chemische Geschichten spielen dabei eine Rolle - aber das lassen wir einfach mal ausser acht.)
Wenn nun ein Strom durch einen Unfall durch den Koerper laeuft, so werden durch den Strom die Koerpereigenen Signale ueberdeckt. Dadurch verkrampfen die Muskeln.
Nun koennen mehrere schlimme Dinge passieren

a) Wenn Du Pech hast verkrampfen sich die Muskeln so, dass Du den elektrischen Leiter fest umklammerst und nicht mehr los lassen kannst, da Du Deine Muskeln nicht mehr kontrollieren kannst.

b) Das Herz wird nur indirekt vom Gehirn gestuert und generiert seine Schlagimpulse ueberwiegend mit eigenen Nervenzellen (Sinusknoten). Wenn Du jedoch Pech hast hoert das Herz auf "das Falsche Signal" von dem Stromschlag und versucht (bei Wechselstrom) 50 mal pro Sekunde zu schlagen (Geschwindigkeit des Wechselstroms in Europa),- was natuerlich nicht funktioniert. Ein Herzflimmern setzt ein, - der Blutkreislauf versagt, das Gehirn wird nicht mehr mit Sauerstoff versorgt. Ende!

c) Im Koerper koennen Lichtboegen enstehen die Deine Organe verkokeln. Je nachdem welches Organ betroffen ist wirst Du Symtome entwickeln. (eventuell auch erst Tage spaeter)

d) Durch den Stromschlag ist die Herzmuskelsteuerung durcheinandergeraten, sodass auch Tage nach dem Unfall ploetzlich Herzschwierigkeiten auftreten koennen.

e) Bei laengeren Stromfluss durch Deinen Koeper kann eine chemische Reaktion im Blut einsetzen. Das Blut wird elektrolytisch zersetzt. Es kann dadurch nach ein paar Tagen zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Wegen Fall Punkt c d und e gild: Bei einen Stromunfall den Du ueberlebt hast: Alle Arbeit einstellen und ersteinmal den Artzt anrufen. Eventuell wird dieser Dich zur Beobachtung ins Krankenhaus schicken oder ein EKG machen wollen. Ansonsten Stress vemeiden, auf Deinen Herzschlag achten und ins Bett - SOFORT!

Punkt b (Herzflimmern) hat den sofortigen Tot zur Folge.
Hier kann man tatsaechlich etwas Rechnen. Die Erfahrung sagt:
- Stroeme ab 0.5 mA (=0.0005 A) sind wahrnehmbar.
- Stroeme ab 10 mA (=0.01 A) fuer eine Sekunde, bzw 50 mA (=0.05 A) fuer 150 Milisekunden lassen Muskeln verkrampfen, sodass Du im schlimmsten Fall den Leiter nicht mehr los lassen kannst.
- Stroeme ab 50 mA (0.05 A) fuer eine Sekunde, bzw 500 mA (0.5 A) fuer 10 Milisekunden loesen Herzflimmern aus, welcher sofort toetlich ist.

Es kommt also auf die Stromstaerke an, und nicht auf die Spannung.

Das Ohmsche Gesetz sagt:

Spannung = Strom * Wiederstand

in Einheiten:
Volt = Ampere * Ohm

Nehmen wir an wir wollen einen sofort toetlichen Stromunfall mit 50 mA (0.05 A) herbeifuehren.

Benoetigte_toetliche_Spannung_in_Volt = 0.05A * Koerperwiederstand_in_Ohm

Wie hoch ist der Koeperwiederstand?
Das haengt ab von
- der Groesse der Kontaktflaechen zum Leiter
- dem Weg den der Strom innerhalb Deines Koepers zuruecklegen muss
- der Feuchtigkeit der Haut an der Kontaktflaeche
Am besten Du misst einmal bei Dir nach.

Nehmen wir einmal unter Misachtung aller Variablen Parameter 1000 Ohm an (Druchschnittswert).

Benoetigte_toetliche_Spannung_in_Volt = 0.05A * 1000 Ohm
Benoetigte_toetliche_Spannung_in_Volt = 50 Volt


Aber Achtung: Auch bei niedrigeren Spannungen gild (ich Wiederhole):

c) Im Koerper koennen Lichtboegen enstehen die Deine Organe verkokeln. Je nachdem welches Organ betroffen ist wirst Du (eventuell auch Tage spaeter) Symtome entwickeln. (Denk an das Elektroschweisgeraet, welches auch nur mit 12V arbeitet)

d) Durch den Stromschlag ist die Herzmuskelsteuerung durcheinandergeraten, sodass auch Tage nach dem Unfall ploetzlich Herzschwierigkeiten auftreten koennen.

e) Bei laengeren Stromfluss durch Deinen Koeper kann eine chemische Reaktion im Blut einsetzen. Das Blut wird elektrolytisch zersetzt. Es kann dadurch nach ein paar Tagen zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Daher: Nachdem einen Stromunfall ersteinmal ueberlebt hast: Alle Arbeit einstellen und ersteinmal den Artzt anrufen. Eventuell wird dieser Dich zur Beobachtung ins Krankenhaus schicken oder ein EKG machen wollen. Ansonsten Stress vemeiden, auf Deinen Herzschlag achten und ins Bett - SOFORT!


Was tun wenn mein Kumpel an einen elekrtischen Leiter festkrampft?

Versuch nicht Deinen Kumpel direkt zu retten indem Du ihm von dem eletrischen Leiter weg zu reissen versuchst.
Du bringst Dich dadurch selber in Gefahr und haengst im schlimmsten Fall danach selber verkrampft am Leiter.
Versuch stattdessen die Stromquelle abzuschalten. Stecker rausziehen oder Sicherung abschalten !

Welche Stromunfaelle gibt es denn so?
- Fummeln an der Steckdose.
- Falsch angeschlossene Steckdose (Folge: Zum Beispiel Dein Computergehaeuse steht ploetzlich unter Strom)
- Falsch angeschlossenes Licht (Folge: Die Gluehbirnenfassung steht ploetzlich unter Strom)
- Falsch angeschlosser Lichtschalter (Obwohl das Licht aus ist, ist noch Spannung auf der Fassung)
- Drachen steigen lassen unter Hochspannungsleitungen.
- Auf Eisenbahnwagen/Strassenbahnwagen klettern und in die Naehe des Fahrdraht kommen
- Ueberqueren von Ubahn- oder SBahn Gleisen die den Strom aus einer seitlichen Stromschiene bekommen.
- Von Bruecken herunter auf die Gleise pinkeln und dabei einen Fahrdraht erwischen. (passiert oefters als man denkt)

Ansonsten gilt noch: Bei Stromunfaellen durch Fummeln an der Steckdose oder anderen Geraeten zaehlt keine Versicherung, weil Du als nicht am Strom herumfummeln sollst.

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08.04.05

Bahnungluecke bei Schneewitchen

Bahnungluecke im Rheinland haben eine lange Tradition.
Ungefaehr alle 2 Jahre kommt es zu einen schweren Unglueck. Mehrmals im Jahr sind die Strecken gesperrt.
Heute gab es wieder ein Unglueck im Bonn-Beuel.
Etwas Chemie ist ausgelaufen. Mehrere Strassen gesperrt. Stadtbahnlinien ausgefallen. Feuerwehr im Mondanzug unterwegs. Aber sonst scheint ja alles mittlerweile vorbei.
Womit wir wieder beim Thema Eisenbahn sind.
Heute gibt es vier Eisenbahntrassen zwischen Koeln und Bonn, sowie 2 Trassen von Bonn nach Koblenz. Zusaetzliche gibt es ab Bonn eine Trasse nach Euskirchen.

Zwischen Bonn und Koblenz fliesst der Rhein durch ein sehr enges Tal.
Der Rhein bildet hier die Grenze zwischen zwei tektonischen lokalen Platten. Der Graben wird vom Rhein als Flussbett verwendet. Daher bebt hier auch regelmaessig (ca. alle 2 Jahre) die Erde.
(Gottseidank bebt es regelmaessig, sodass sich keine grossen Spannungen aufbauen und es nur maessig bebt.)
Heute noch gibt es in der Eifel einen ehemaligen Vulkankrater aus dem es regelmaessig blubbert. Auch das Siebengebirge ist vulkanischen Ursprungs. Vulkankrater gibt es ueberall. Als Bonn noch von Dinosaueriern bewohnt wurde schleuderten die damals aktiven Vulkane Gestein bis nach Berlin.

Nach dem Rheinufer steigt das Gelaede sehr stark (oft Senkrecht) an.
Beruehmte Felsen wie der Drachenfels die Loreley sowie das Siebengebirge ("Sieben" kommt von dem Wort "Siefen" welches die Gesteinsart ist die hier im Mittelalter abgebaut wurde) sorgten schon Jahrhunderte fuer Legenden.
Die bekanntesten sind die Siegfriedsage, die Nibelungensage, die Sage vom Loreleigesang, das Maerchen von Schneewitchen (=Hinter den sieben Bergen => Siebengebirge).
Wo es eng ist findet es der Rheinlaender schoen, und baute in das enge Tal nicht nur eine Bahnstrecke hinein, sondern gleich zwei. Auf jeder Seite eine. (Spaeter sind noch 2 grosse Bundesstrassen auf jeder Seite dazugekommen).
Die beiden Rheinstrecken gehoeren wohl zu den schoensten Bahnstrecken Europas, aber leider auch die am staerksten Befahrenen Strecken Europas. Beide Strecken wurden mitte des vorletzten Jahrhunderts (1844 bzw. 1856) fuer hohe Geschwindigkeit gebaut. Zuege fuhren schon damals auf der alten Trasse mit max. 130 km/h. (Tempo 200 fahren Zuege nicht erst seit dem ICE, sondern bereits 70 Jahre lang).
Das Rheintal zaehlt aufgrund der Natur und seiner vielen Burgen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von der Strecke aus kann man ueber 50 Burgen bewundern, sowie unzaehlige Weinberge.
Auch die Bahnstrecke selber mit ihren Bahnhoefen blickt auf bewegte Geschichte zurueck.
Heute donnert ca. alle 2 Minuten ein Ferngueterzug durch das Tal. Darunter ca. ein Castor Transport pro Woche. Chemiekalien, Personen, Autotransporte, Kohle, Oel, Atommuell, Schutt, Panzer - alles rollt durch.
Dazu kommt noch der Rhein, die am staeksten befahrene Binnenschiffartsroute Europas.
Bei solch einer Verkehrsdichte kommen Unfaelle vor.
Heute ist ein abgestellter Chemiewagen im Beueler Bahnhof ausgelaufen.
Immerhin kein Castor.

Posted by iscs at 19:20 | Comments (194) | TrackBack

01.04.05

Das Weltbild eines Rheinlaenders

image_00156.jpg
(Das Photo ist keine Photomontage, sondern habe ich tatsaechlich in Wesseling gefunden)

Posted by iscs at 00:27 | Comments (112) | TrackBack