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13.03.05

Kuenstliche Nahrung fuer Naturfetischisten

"Ess doch nicht dieses kuenstliche Zeugs! Da ist ja nichts natuerliches mehr dran! Das kann doch nicht gesund sein." Diesen Satz muessen sich Herschaaren von jungen Maennern anhoeren die nicht peinlichst genau auf ihre Ernaehrung achten und zu einen Hamburger nicht nein sagen koennen. All jenen Leidgeplagten moechte ich zurufen "Auch die Vegetarier essen ausschliesslich kuenstliches Essen"

Kohl:
Die heutigen Kohlsorten stammen alle von einen "Urkohl" ab, welcher jedoch heute nur noch in historischen Sagen vorkommt. Die eigentliche Pflanze ist ausgestorben und scheint schon fast selber nur ein Mythos zu sein. Zu den Zuechtungen aus dem Urkohl gehoeren
Weißkohl, Rothohl, Wirsing, Chinakohl, Blätterkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Braun- und Grünkohl, Kohlrabi, Rosenkohl, Gartenkohls, Rosenkohl, Sprossenkohl, Blätterkohl, Winterkohl und so weiter.
Die historischen Quellen zum Urkohl sind unklar. Im klassischen Altertum (Griechen, Roemer usw) wurde wohl schon fleissig Kohl in verschiedenen Variationen verspeisst. Die Zuechtung muss damals also wohl schon weit fortgeschritten sein. Es gibt eine Wildpflanze in Mittel und Nordeuropa (Meerkohl) welche mit den Kohl verwand zu sein scheint. Ob es sich dabei um einen Nachfahren des Urkohls handelt oder um eine verwilderte fruehe Zuchtung ist unklar.
Manche vermuten die Urspruengliche Heimat des Kohls daher in Nord- und Mitteleuropa, andere Theorien sprechen von Italien. Auf jeden Fall ist der Kohl schon sehr frueh ueber die ganze Welt gereist und wurde dabei fleissig veraendert.

Weizen:
Vermutlich aus dem Nahen Osten wo er vermutlich schon im 7. vorchristlichen Jahrtausend angebaut wurde und seit dem veraendert wurde. Der naechste wilde Verwandte scheint der Einkorn zu sein, welcher jedoch ein Nachfahre frueher Zuechtungen zu sein scheint. (Eventuell auch nicht)

Apfel (und andere Fruechte):
Vermutlich aus Asien. Der naechste wilde Verwandte ist der "Holzapfel" mit einer erdbeergrossen Frucht. Es ist jedoch umstritten ob der Holzapfel der Ur-Apfel war oder eine verwilderte fruehe Zuechtung.
Die Kultur-Aepfel aus dem Supermarkt sind so verstuemmelt, dass sie nicht aus eigener Kraft wachsen koennen. Daher wird ein wildnaeher Apfelbaum als Grundlage genommen, in welchen das genetische Material einer Apfelzuechtung eingesetzt wird (Veredelung), sodass das Wurzelwerk und der Stamm aus dem wildnahen Baum ist, die Krone mit den Fruechten jedoch ein (genetisch gesehen) ganz anderer Baum ist.
Dieser Trick des Aufprophen/Veredeln des Baumes mit genetischen Material ist seit Jahrtausenden weit verbreitet im Fruechteanbau (Praktisch alle Fruechte im Supermarkt sind auf diese Weise gewachsen)
Da das genetische Material des Kulturapfels an sich nicht mehr vermehrungsfaehig ist, wird er durch künstliche Vermehrung in Labors (bereits seit Jahrtausenden) vermehrt.
Wann dies alles angfangen hat ist nicht ganz nachvollziehbar. Auf jeden Fall war es zur klssischen Antike bereits gang und gebe.

Hier stoppe ich. Jedoch waere fuer nahezu jede Speise aus dem Supermarkt nachweisbar, dass es diese Form in der Natur urspruenglich nicht gaebe.
(Das selbe gild natuerlich auch fuer Fleisch,- wo teilweise die Wildvorfahren schon lange ausgestorben sind)

In diesem Sinne:
Natuerliche Nahrung gibs nich mal mehr im Wald (Schliesslich gibt es in Deutschland nur noch 2 kleine Urwaeldchen welche nicht durch Menschen angepflanzt wurden).

Heute gibt es 2 Burger zum Preis von einen.

Posted by iscs at 18:33 | Comments (121) | TrackBack

11.03.05

Mixtur Trautonium - Synthesizer aus den 30ern

In den 30er Jahren gab es beim fruehen Radio ein Problem.
Tonaufzeichnung war nur schwer moeglich, und die technische Moeglichkeit Schallplatten im Radio zu spielen gab es noch nicht in guter Qualitaet.
So wurde die meiste Musik im Radio live gespielt.
Aber auch das war problematisch, da die Microphone noch recht bescheiden waren.
Eine Loesung Musik direkt ins Radio einzuspielen (ohne Microphon) musste her.
Und so erfand Oskar Sala einen der ersten Synthesizer, das "Mixtur-Trautonium" (eine Weiterentwirklung des Trautonium)

Entdeckt ahben wir das Mixturtrautonium letztes Wochenende im Deutschen Museum in Bonn. Sofort fasziniert haben wir uns einige CDs an Ort und Stelle gekauft.
Wegen akuter Begeisterung komme ich daher erst jetzt zum Bloggen.

Mit diesen Geraet, welches aussieht als ob es die Orgel eines verrueckten Professors eines billigen B-Movies ist, lassen sich interessante Toene erzeugen.
Die Hoerbeispiele stammen von www.trautonium.de, in der Frame-Navigation zu "Download" durchklicken. Ebenfalls dort zu finden sind komplette Bauanleitungen.
Meine Google-Empfehlung heute lautet daher "Mixturtrautonium".
Auch erwaehnenswert sind die Seiten des Deutschen Museums in Bonn, sowie ein Interview mit Oskar Sala.

Am Rande: Die Vogelstimmen aus dem Film "Die Voegel" von Alfred Hitchcock stammen aus keinen anderen Geraet als dem Mixtrur-Trautonium. (Echte Vogelstimmen waren Hitchcock nicht unheimlich genug)

Oskar Sala verstarb am 26.02.2002 im Alter von 91 Jahren in Berlin.

Posted by iscs at 00:45 | Comments (113) | TrackBack

02.03.05

Schlaue Krokodile und merkbefreite Anwaelte

Premiere: Seit 3 Monaten steht ein einziger Tontraeger ununterbrochen auf Platz 1 der deutschen Charts.
Ueber Musikgeschmack will ich hier nicht streiten - viel mehr moechte ich mich ueber diejenigen aufregen die selbst durch Schnappi nichts gelernt haben.

Die Musikindustrie.

Als vor mehreren Jahren die kleine Joy mit ihren Papa das Kinderlied "Schnappi, das kleine Krokodil" sang war die Welt noch in Ordnung.
Das Lied wurde auf eine Kinderlieder-CD gepresset - ein paar Exemplare wurden verkauft - keiner wurde superreich, aber auch keiner wurde arm.
Der Liedermacher und seine Tochter widmeten sich anderen Projekten, und Schnappi verschwand in Archiven, wie das die meisten Lieder tun.

"Ich bin Schnappi, das kleine Krokodil"

Bis eines Tages jemand Schnappi online stellte. Die Kuenstler waren einverstanden - schliesslich kaufte eh niemand mehr die CD.

"komm aus Aegyten, das liegt direkt am Nil"

Die Webseite duempelte einige Zeit herum, bis ploetzlich bei SWR3 jemand auf das MP3 aufmerksam wurde und das Stueck auf dem Sender spielte.

"Zuerst lag ich in einen Ei"

Die Telefone standen nicht mehr still

"Dann Schnii, Schnaa, Schnappte ich mich frei"

Daraufhin war Schnappi nicht mehr zu stoppen. Es verbreitete sich im Internet und wurde zum Kult (warum auch immer)
Die kleine Joy und ihr Papa gaben begeistert Interviews.

"Schnii Schnaa Schnappi"

Fast 3 Monate war Schnappi Kult und wurde frei kopiert. 3 Monate lang schlief die Musikindustrie...

"Schnappi Schnappi Schnapp"

...dann wachte sie jedoch auf, nachdem sie foermlich dazu genoetigt wurde wurde nun endlich ein Video produziert. Die neu erschienene Single schoss sofort auf Platz 1 der Charts....

"Schnii Schnaa Schnappi"

....und blieb dort bis heute.
Aber anstatt sich ueber den Erfolg zu freuen, tat die Musikindustrie das was sie immer tat,- sie zerstoerte die Basis ihres Erfolges und verklagte saemtliche Internetseiten welche auch nur Links zu Schnappi-MP3s anboten und verschickte Abmahnungen in Serie.

"Schnappi Schnappi Schnapp"

Und so mussten irgendwelche Leute wahnsinnig viel Geld bezahlen, und Schnappi verschwand aus dem Intenet, und tauchte dafuer bei Jamba, Jamba-TV 1 (=Viva), Jamba-TV 2 (=Viva 2) und Jamba-TV 3 (MTV) wieder auf.

Interessannt daran ist, dass Schnappi saemtliche Argumente der Musikindustrie ad absurdum gefuehrt hat (schliesslich wurde es erst durch MP3 beruehmt)

10 Jahre Massen-Internet, und sie wollen immer noch Tontraeger in LKW transportieren.

10 Jahre Massen-Internet, und es gibt immer noch keine legale Plattform wo ich west-indische Tanzmusik aus den 60ern legal herunterladen kann. (Ein Musikarchiv ist erst dann einigermassen vollstaendig wenn auch solche Wuensche bedient werden koennen)

5 Jahre gemeinsamer Kapmf aller Musikkonzerne gegen Filesharing, aber kein gemeinsamer Aufbau einer eigenen Infrastruktur.

1 Jahr Jamba, und es wird mehr Geld ueber Klingeltoene verdient als ueber Tontraegerverkauf.

Scheinbar besteht die Musikindustrie nur noch aus Anwaelten und hat ihr operatives Geschaeft vollstaendig aufgegeben und Jamba ueberlassen.

Ich glaube die Internetgemeinde ist gegenueber der Musikindustrie noch viel zu tolerant.

Mittlerweile sagen sogar wir schon "illegale Musik" ohne dabei rot zu werden.

Mittlerweile wollen wir der Musikindustrie sogar schon Kulturflatrates anbieten. Quasie eine GEZ fuer Interentbenutzer.

Scheinbar haben wir schon vergessen, dass wir auf jeden CD-Rohling GEMA bezahlen und das wir (ab demnaechst) fuer den Internetanschluss GEZ bezahlen.

Wer den Markt verschlaeft stirbt frueher oder spaeter.

"Ich beiss den Papi kurz ins Bein, und dann, dann schlaf ich einfach ein"

Posted by iscs at 23:43 | Comments (47) | TrackBack